Huawei Honor 9 5,15″ Smartphone

Da ich schon verschiedene Geräte von Xiaomi, OnePlus, UMI und anderen „China-Herstellern“ ausprobieren konnte, wollte ich mir nun mal eines von Honor/Huawei zulegen und war besonders auf dessen Kamera gespannt. Mein zuvor genutztes Handy war das UMIDIGI Z, welches recht hohe Leistung mit einem tollen Gehäuse kombiniert, jedoch bei Akkuleistung und Kamera schwächelt.
Das „Downgrade“ von bisher 5,5 auf 5,15″ nahm ich sehr gerne in Kauf.

Lieferumfang

Neben Smartphone, typischem Papierkram, Ladegerät + USB-Kabel und schlichten Standardkopfhörern liegt auch eine transparente, optimal sitzende, flexible Hülle bei.

Verarbeitung & Design

Wer schon einmal das Galaxy S7 in der Hand gehalten hat, wird feststellen, dass das Gehäuse in positiver Weise gewisse Parallelen aufweist. Auch zum aktuellen Xiaomi Mi6 gibt es deutliche Ähnlichkeiten. Die Rückseite ist handschmeichlerisch geschwungen, die Größe ist in meinen Augen genau richtig und das gesamte Gerät fühlt sich äußerst wertig an.
Ein Nachteil der sehr schick gestalteten, schimmernden Glas-Rückseite ist neben der logischen Fingerabdruckanfälligkeit aber eindeutig, dass sie wahnsinnig glatt ist und einem mit trockenen Händen schnell aus der Hand rutscht – oder bei ganz leicht schrägem Untergrund ohne Probleme davon gleitet. Noch ist mir das Honor glücklicherweise nicht herunter gefallen, aber ich empfehle dringend, ein Case anzubringen.

Positiv erwähnen möchte ich die plan im Gehäuse eingelassene Dual-Kamera, die in der Hörmuschel versteckte Nachrichten-LED und den an der Oberseite untergebrachten Infrarotsender zur Fernbedienung von TV, Verstärker und anderen Unterhaltungsgeräten.
Mit einer passenden App (z.B. „SURE“ oder „AnyMote“) funktioniert die Steuerung einwandfrei. Die integrierte App „Smart Controller“ ist da etwas umständlich zu bedienen.

Fingerabdruckleser

Beim Vorgänger befand sich der Sensor noch an der Rückseite. Nun ist er wie beim Huawei P10 auf der Vorderseite im Homebutton zu finden und wird bei Berührung aktiv.
Die Erkennungsrate liegt beinahe bei 100% und die Schnelligkeit ist absolut überragend. Dies ist ganz vermutlich auch der sehr hohen Anschaltgeschwindigkeit des Displays zu verdanken, was den Entsperrvorgang gefühlt innerhalb weniger Millisekunden erlaubt.
Im Honor 8 besaß der Leser noch eine Gesten-Steuerung, welche hier leider nicht übernommen wurden.

Sensortasten:
Beim Honor 8 befanden sich Zurück- und Multitaskingknopf noch im Display und nahmen somit immer ein wenig Platz weg. Jetzt wurden diese glücklicherweise mit aufs Gehäuse neben den Homebutton genommen und können in der Anordnung beliebig getauscht werden.

Inbetriebnahme

Das Smartphone war bei mir zu 65% vorgeladen und so konnte man es direkt starten.
Wer bereits ein Androidsmartphone hatte, wird sich hier recht schnell zurecht finden. Sobald man das Handy das erste Mal hoch fährt, wird man gut verständlich durch die Einrichtung begleitet.
Ebenso wird durch einen eigenen Assistenten angeboten, seine Daten vom bisherigen Handy zu kopieren.

Software

Das von Honor genutzte EMUI 5.1 (basierend auf Android Nougat 7) bietet ein paar sinnvolle Zusatzfunktionen und ist offensichtlich gut optimiert worden.
Das System läuft sehr flüssig, stabil und dank potentem Prozessor absolut schnell. Nur beim Wischen/Scrollen kommt es mir manchmal etwas seltsam träge vor und die standardmäßige Animationsgeschwindigkeit von Fenstern wirkt etwas langsam. Es empfiehlt sich hier, in den Entwicklereinstellungen, den Animationsmaßstab auf 0,5x zu stellen.

Anfangs war ich bezüglich der von Honor spendierten Zusatzfeatures etwas skeptisch, wurde dann jedoch sehr schnell überzeugt, da sie allesamt sinnvolle Erweiterungen darstellen.
Genial finde ich beispielsweise die mögliche Daten-Rechteverwaltung, mit der sich spezifisch einstellen lässt, welche App WiFi, mobile Daten oder Roaming nutzen darf.
Bisher brauchte ich dafür Root und eine Firewall-App.
Weiterhin enthält EMUI die Möglichkeit, Messenger-Apps zu klonen, um beispielsweise zwei Whatsapp-Konten auf einem Handy laufen zu lassen.
Insgesamt besitzt EMUI deutlich mehr Anpassungsmöglichkeiten als das Original-Android und bis auf die iPhone-Optik bin ich positiv davon überrascht.

Unter der leider vorinstallierten Bloatware finden sich 16 Spiele bzw. „Hilfsapps“, die deinstalliert werden und zusätzlich die kompletten Google-Apps, die zumindest deaktiviert werden können.


Updates:
Honor verspricht für seine neuen Geräte einen Update-Zeitraum von zwei Jahren. In wie weit das der Wirklichkeit entspricht, wird die Zeit zeigen.
Bisher läuft Android in der Version 7.0 mit Sicherheitsupdates vom 05. Mai und einem Kernel vom 04. Juni darauf.

Leistung

Prozessor:
Der Kirin 960 wurde im November 2016 vorgestellt und ist der gleiche Chip wie im P10. Somit ist er noch sehr aktuell und hochleistungsfähig.
Er bewältigt aktuelle Spiele und Anwendungen locker und kann diese dank den großzügigen und in meinen Augen absolut ausreichenden 4GB RAM auch beim Multitasking lange im Hintergrund behalten. Wer den Wunsch nach mehr RAM verspürt, kann jedoch auch zu Varianten mit 6GB greifen. Auf Amazon sind diese Versionen jedoch aktuell noch nicht verfügbar.
Für Benchmarkinteressierte schafft der Kirin meines Honors bei Antutu ca. 143.000 (Warme Außentemperaturen) und 151.300 (Kühlschrank) Punkte.

Speicher:
Die integrierten 64GB (leider nur vom Typ EMMC) werden ausreichend schnell angesprochen. Laut der App AndroBench sind es beim Lesen maximal 283 und beim Schreiben 97MB/s. Im Verhältnis mit anderen Geräten der Preisklasse ist das gut. Das OnePlus5 (Typ UFS) schafft aber beispielsweise deutlich schnellere 395 (Lesen) und 236MB/s (Schreiben).

Akkulaufzeit

Die 3200mAh des Honor-Akkus sorgen in Kombination mit der Software dafür, dass man recht gut über den Tag kommt. Der Standby-Verbrauch (~1,6% pro Stunde, nachts, deaktivierte Mail-Syncro, „Tiefschlaf“) geht in Ordnung, wobei es sich im Alltag öfter über handwarm erwärmt – was letztlich für keine ganz perfekte Energie-Effizienz spricht. Vielleicht ist da softwareseitig ja noch was zu machen.
Bisher schaffe ich jedoch über den Tag verteilt (~12h) durchschnittlich ca. 4-5h Display-On-Time bei aktiver Mail-, News-, und Wetter-Syncro mit abendlichen 15-25% Restakku.
Vollständig aufgeladen ist er von 0% in etwa 100min, wobei er in 50min 80% erreicht.
Geladen wird hierbei mit bis zu 18W, was dem Qualcomm-Standard Quick Charge 3.0 ähnlich ist.

Bildschirm

Das Full-HD-IPS-Display auf 5,15″ (428ppi) löst in meinen Augen vollkommen ausreichend scharf auf. Bis auf die Nutzung von VR-Brillen wird man nie störende Pixel entdecken.
Die Helligkeit ist auch bei starker Sonnenstrahlung gepaart mit dem guten Kontrast hoch genug, um im Sommer alles erkennen zu können. OnePlus oder Samsung haben hier jedoch mit Amoled noch ein wenig die Nase vorn, da das Honor nicht ganz an den Kontrast heran kommt. Die Schwarzwerte könnten da gerne etwas tiefer sein.
Die Farben wirken in meinen Augen recht realistisch, besitzen entgegen manchen anderen Berichten keine Farbverschiebung im Weißabgleich und sind ein klein wenig knallig.

Dualsim (Dual-Standby)

Entweder können eine SD-Karte + SIM oder zwei nano-SIM-Karten verwendet werden. Micro-SD-Karten können hierbei problemlos 256GB groß sein.
Die Erkennung und Verwendung meiner beiden Simkarten im D1-Netz (LTE-Datentarif + günstiger Telefontarif) ging ohne weiteres vonstatten.
Einer gleichzeitigen Nutzung von Arbeits- und PrivatSIM oder verschiedener Tarife steht also nichts im Weg.
Jedoch können nicht beide Schächte gleichzeitig im LTE-Netz funken – hier muss man sich für eine primäre Karte entscheiden.

Kommunikation

Gesprächspartner werden klar und deutlich verstanden und die eigene Stimme kommt beim Gegenüber ebenso gut an.
Der Hauptlautsprecher wird recht laut und hat jedoch klassentypisch mit tiefen Tönen seine Schwierigkeiten. Ab 80% Lautstärke fängt er darüber hinaus etwas das Zischeln an.

WiFi:
Bisher hatte ich keine Ausfälle und das Streamen von Filmen oder Youtube funktioniert einwandfrei.
Hier kann die Geschwindigkeit meines 50Mbit-DSL ohne Weiteres ausgeschöpft werden.
Beim Übertragen von Daten meines NAS-System auf den internen Speicher des Honors sind ansonsten Raten von bis zu 12MB/s möglich, wobei das auf die Dateigröße ankommt. MP3s werden beispielsweise eher mit 4-7MB/s übertragen.

Bluetooth:
Zur Verbindung mit meiner Bluetoothbox und -Kopfhörern nutze ich regelmäßig den Funkstandard und konnte auch da bis jetzt keine Ausfälle bemerken.
Angenehm ist in dem Zusammenhang das verbaute NFC, mit dem sich kompatible Geräte noch schneller koppeln lassen.

GPS:
Die Navigation kann mich komplett überzeugen. Sie funktioniert nach ein paar Sekunden zuverlässig und ohne Probleme.
Das Honor 9 hat im Test im Außenbereich bereits nach 2 Sekunden seinen Satelliten-Fix und arbeitet uneingeschränkt ohne Standortsprünge mit Google Maps zusammen.
Selbst im Innenbereich etwa 5m vom Fenster entfernt bekommt es einen GPS-Fix innerhalb von 11 Sekunden.
Auch der Kompass arbeitet im Gegensatz zu meinen bisher getesteten China-Handys glücklicherweise einwandfrei.

Kamera

Einer meiner hauptsächlichen Kaufgründe für das Handy war die angepriesene Kamera. Ganz auf der Höhe eines Galaxy S8, Google Pixels oder auch S7 ist sie zwar nun nicht, kann mich aber ansonsten überzeugen.
Bei Tageslicht entstehen sehr schöne, kontrastreiche Bilder mit hoher Dynamik. Geht es gen Dämmerung, werden die Bilder zwar körnig, müssen sich jedoch noch immer nicht verstecken. Erst bei stärkerer Dunkelheit werden die Bilder wie bei den meisten anderen Smartphonekameras unbrauchbar. Das Galaxy S7 und 8 können durch deren f/1.7-Blende noch etwas länger verwertbare Fotos schießen. Die Maximalblende von f/2.2 merkt man dem Honor dann leider an.

Profi-Foto-Modus:
Dank Camera2-API in Android 7 lassen sich übrigens Einstellungen wie Verschlusszeit, ISO und Weißabgleich komplett selbst steuern, was in Kombination mit einem kleinen Stativ beeindruckende Fotos ermöglicht. Da im „Profi-Modus“ auch die Aufnahme von RAW-Bildern („Foto-Rohformat“ mit mehr Informationen und besseren Nachbearbeitungsmöglichkeiten) möglich ist, können sich experimentierfreudige Fotografen komplett austoben. Das freie dng-Format ist mit den meisten Raw-Konvertern kompatibel und kann beispielsweise mit Lightroom Mobile sogar direkt am Handy aufbereitet werden.

Dual-Kamera:
Honor hält an deren Dual-Kamera-Setup fest und verbaut wieder zwei Sensoren – einer farbig mit 12MP und einer monochrom mit 20MP. Dies soll einerseits der Farbtiefe zugute kommen und andererseits Fotos mit unscharfem Hintergrund ermöglichen. Ganz optimal funktioniert das leider nicht immer, da kein wirklicher Schärfeverlauf erkennbar ist, sondern das anfokussierte Objekt einfach mehr oder weniger erfolgreich freigestellt und der Hintergrund unscharf gezeichnet wird. Ich vertraue aber mal darauf, dass der Hersteller hier noch nachbessert und auch die Qualität der Freistellung verbessert.
Weiterhin sollen die beiden Kameras einen 2x-Zoom ermöglichen, der jedoch nur bei auf 12MP reduzierter Auflösung funktioniert. Der zweifache Zoom wird hierbei dadurch erreicht, dass „in den 20MP-Sensor hinein gezoomt wird“ bis der 2x-Zoombereich abgedeckt ist –> nur die inneren 12MP des 20MP-Sensors werden verwendet. Der selbe Effekt ließe sich also auch erreichen, indem man herausgezoomt bei 20MP fotografiert – und im Nachhinein nur den mittleren Bildausschnitt (=hineingezoomt) verwendet.
Echt unterschiedliche Objektive, wie sie z.B. iPhone 7 Plus oder LG G6 besitzen (Normal- & Weitwinkelobjektiv) wurden hier folglich nicht verbaut.

Etwas ärgerlich ist, dass sich die Kamera-App keine Einstellungen über einen längeren Zeitraum merkt. Den künstlichen „Beauty-Filter“ im Porträtmodus möchte man beispielsweise nicht unbedingt so stark eingestellt haben, jedoch wird die Änderung nicht dauerhaft gespeichert.

Video:
Die Filmaufnahme ist bei bis zu 4k mit 30 Bildern pro Sekunde möglich. Da der elektronische Stabilisator leider nur bei Full-HD mit 30 Bildern pro Sekunde funktioniert und es keinen optischen/mechanischen Stabilisator gibt, muss man das Handy für schöne Aufnahmen sehr ruhig halten können oder ein Stativ bzw. einen [[ASIN:B01N2N6F5I Smartphone Gimbal]] verwenden.
Die Videoqualität bei 4k finde ich sehr ansprechend und würde sagen, dass es z.B. mit dem OnePlus 5 gut mithalten kann.

Sonstiges

  • Der verwendete USB-C-Port erlaubt zwar die Verwendung von USB-Sticks, überträgt Daten jedoch nur mit einer Geschwindigkeit von USB 2.0
  • Zum Schutz des Gehäuses nutzte ich anfangs die beiliegende transparente Hülle und nun ein flexibles Case von DEESOS, mit dem ich soweit zufrieden bin

Fazit

Das Honor 8 ist in meinen Augen eine konsequente Weiterentwicklung des Honor 8 und eine noch günstige, äußerst schicke und hochwertige Glas-Alternative zum P10 – aber bis auf die spannende Farbgebung auch beinahe etwas zu solide ohne wirkliche Neuerungen.
Dank der kompakten Abmessungen, des verhältnismäßig günstigen Preises, der guten Kameraleistung und der tollen Software-Features würde ich es aktuell einem OnePlus 5 aber sogar vorziehen, muss jedoch auch sagen, dass es z.B. gegenüber dem 1,5 Jahre alten Galaxy S7 bis auf den IR-Sender, die Dual-Sim-Fähigkeit und USB-C nichts grandioses bietet.
Ich hätte mir zumindest kabelloses Laden gewünscht, was mit der Glas-Rückseite ja kein Problem gewesen wäre.

Weiter empfehlen möchte ich das Honor 9 jedoch trotzdem, da ich die Größe einfach perfekt finde, das Gesamtpaket für den Preis noch stimmt und es ein Augen- sowie Handschmeichler ist.
Wer noch nicht aufs Honor festgelegt ist, darf sich jedoch neben dem erwähnten Samsung auch weitere empfehlenswerte Konkurrenten wie das LG G6, Xiaomi Mi6 oder Mi5s ansehen.



Nachtrag:
Bis zum 11.07.17 gibt es noch 30€ Cashback von Honor, die man sich über die Aktionsseite sichern kann:
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Honor 9 – Für rund 430€ auf Amazon (Zum Testzeitpunkt)
Getestet am
Produkt
Huawei Honor 9 Smartphone
Bewertung
4

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