Nikon AF-S 70-200 f/2.8 VR II

Nachdem es mich wegen der bekanntermaßen eindrucksvollen Bildstabilisierung doch recht lange gejuckt hatte, habe ich es vor sechs Monaten dann doch durchgezogen und mein bewährtes, ca. 11 Jahre altes, gebraucht gekauftes AF-S 80-200mm gegen das neue 70-200mm VR II getauscht.

Größenvergleich Nikkor AF-S 70-200mm f/2.8 und 80-200mmIm Folgenden meine persönlichen Eindrücke. Vielleicht helfen sie ja dem ein oder anderen.
Ich setze das Objektiv an der D700 und D750 hauptsächlich bei Hochzeiten ein, bin aber auch ansonsten immer wieder sehr froh, ein „variables Porträt-Tele“ dabei zu haben.

Verpackung

Wie auch die meisten anderen Objektive, versendet Nikon diese Linse optimal geschützt durch einen stabilen Karton, ausreichende Polsterung und eine super passende und transportable Tasche.
Im Vergleich empfinde ich diese Tasche zwar als nicht so stabil wie den damals mitgelieferten Objektivlederköcher des 80-200 – jedoch war dieser wirklich nur bei größeren Transporten von Vorteil, da man ihn ansonsten aufgrund der Sperrigkeit kaum genutzt hat.

Verarbeitung & Haptik

Die Fertigungsqualität des Teles kann sich ebenfalls absolut sehen lassen. Nach der bisherigen Zeit sieht man keinerlei Abnutzungsspuren und sämtliche Bestandteile (Gummis, Geli, Stativschelle) sitzen satt und ohne Spiel.
Es wird sich zwar zeigen, ob das Objektiv auch in ein paar Jahren noch ohne groben Makel ist, jedoch bin ich da zuversichtlich. Beim 80er hängt inzwischen beispielsweise die Gegenlichtblende nur noch sehr locker im Gewinde – beim VR II setzt Nikon ja auf einen Metall-Schnappverschluss, der auch oftmalige Betätigung aushalten sollte.

Da im Zoom einiges an Glas steckt und die Gehäusekonstruktion aus Metall besteht, fasst sich auch das neue sehr hochwertig und schwer an. Durch den leicht geschrumpften Tubus-Durchmesser liegt es im Vergleich mit dem alten aber sogar noch etwas besser in der Hand. Dass man kein Leichtgewicht erwarten darf, erklärt sich aber vermutlich im Voraus von selbst.
Zoom- und Fokusrad liegen des Weiteren gut erreichbar im vorderen Bereich und geben keinen Anlass für Beanstandung.

Ein kleiner Punkt, den ich etwas schade finde, ist die abgeänderte Stativschelle. Aufgrund des Schwerpunkts trage ich die Kamera-Objektiv-Kombination während des Laufens gerne an deren „Fuß“ und stelle immer noch fest, dass der vom 80-200 einfach „organischer“ und runder gefertigt war, was für die Hand sehr viel angenehmer ist.
Im Gegenzug erhält man beim Neuen zwei Gewinde, um das Stativ je nach Schwerpunkt weiter vorne oder hinten befestigen zu können.

Fokus & Auflösung

Ohne Zweifel erhält man mit diesem Tele einen der besten Kompromisse wenn es um Bildschärfe und Brennweitenvariabilität geht – jedoch muss ich ganz klar sagen, dass das AF-S 80-200mm hier kaum zurück steht. Zwar hat die insgesamte Schärfe noch einen Tick zugenommen und auch die Vignette wurde etwas reduziert – aber dies in einem so geringen Maße, dass man aufgrund dieser Qualitäten keinesfalls zum Neuen greifen muss.
Ein wenig sieht man die zeitliche Evolution vielleicht auch noch in Gegen- und Streulichtsituationen, in denen das 70er die „Kontrast-Nase“ etwas vorne hat.
Ebenso wurden die chromatischen Aberrationen etwas reduziert.
Die AF-Geschwindigkeit hingegen ist auch beim 80er beeindruckend hoch.

Was einen Wechsel aber wirklich rechtfertigt – und wo das neue auch andere Konkurrenten schlagen kann, zeigt sich bei der (damaligen) Neuentwicklung des Stabilisators:

Bildstabilisierung (VR II)

Dieser funktioniert so tadellos, dass es eine reine Freude ist, ihn einzusetzen. Wenn ohne bei 1/200s Schluss war, kann nun gerne auch mal 1/50s oder mit ruhiger Hand sogar 1/30s eingesetzt werden. Ausprobieren lohnt sich hier tatsächlich.
Speziell merkte ich das bei einem kurzen Ausflug mit der D800, welche mich damals vor das Problem stellte, dass die Daumenregel „Belichtungszeit = 1/Brennweite“ nicht mehr ohne Weiteres galt.
Mit aktiviertem VR war es wieder möglich – auch bis 1/80s.
Wer also um jedes Quäntchen Helligkeit froh ist, darf sehr gerne zum 70-200 VR II aufsteigen. Bei Hochzeiten zu später Stunde ein unschätzbarer Vorteil – auch in heutigen Zeiten, in denen ISOs bis 6400 keine Zauberei mehr darstellen.
Übrigens auch für kurze Videosequenzen aus der Hand sehr zu empfehlen.

Noch was zu den oft gefragten Stabilisierungsmodi:
VR Normal gleicht nur vertikale Verwacklungen aus. Sollte also z.B. bei Mitziehern eingesetzt werden.
VR Active gleicht sämtliche Verwacklungen aus. Ist für Mitzieher also nicht geeignet, aber für so gut wie alles andere, bei denen irgend ein Verwackeln möglich ist.
Auf dem Stativ sollte der VR deaktiviert werden, da er ansonsten durch die Eigenbewegung der durch den Motor angesprochenen Linsen eine „künstliche“ Verwacklung hervorrufen kann.

Nikkor AF-S 70-200mm f/2.8

Konvertertauglichkeit

Bisher konnte ich TC-14 II sowie TC-20 III testen und an der D700 keinen größeren Schärfeverlust feststellen. Bei umgerechnet 400mm f/5.6 spielt auch der VR wieder seine volle Stärke aus, was bei Dämmerung noch super Fotos zulässt. An Kameras mit höherer Auflösung (D750, D800,… oder DX-Kameras) empfehle ich, für optimale Schärfe zumindest eine Stufe abzublenden.
Ein Wort zu den TCs am 80-200: Der 14er kann noch gut eingesetzt werden, mit dem 20er werden die Ergebnisse aber leider schon etwas kontrastarm, leicht unscharf und man merkt, dass das ältere Tele nicht unbedingt dafür ausgelegt wurde.

Brennweitenverkürzung

Wie von anderen bereits angesprochen: Bei Entfernungen nahe der Minimaleinstellgrenze verhält sich das VR II ähnlich einem 65-135mm-Objektiv. Benötigt man die 200mm also auch bei Objektentfernungen kleiner als zwei Metern unbedingt, sollte man sich nach einer Alternative umsehen. Dies sollte einem vorher einfach bewusst sein.
Im Alltag konnte ich persönlich bisher nicht feststellen, dass mich das sonderlich gestört hat.

Nikkor AF-S 70-200mm f/2.8

Fazit

Aufgrund des potenten VRs, der sehr guten Bildqualität und angenehmen Haptik kann ich das neue 70-200er jedem empfehlen, der sich auf der Suche nach dem besten Kompromiss zwischen Brennweitenvariabilität und Schärfe befindet.
Auch die gute Eignung für Telekonverter darf als Pluspunkt genannt werden.
Wer den VR eigentlich nicht wirklich benötigt, da er beispielsweise hauptsächlich bei ausreichendem Licht fotografiert, kann mit einem Gebrauchtkauf des AF-S 80-200 f/2.8 sehr viel Geld sparen. Da die Fertigung des Objektivs aber um die Jahrtausendwende eingestellt wurde, empfiehlt sich ein vorheriger Funktions-Check. Hier sollte speziell auf ein lauteres „Fiepen“ des AF-Motors geachtet werden, welches laut verschiedener Meinungen ein baldiges Ableben kennzeichnen kann.
Noch mehr Geld lässt sich übrigens mit der „AF-D-Variante“ sparen, welche optisch nur ein wenig weicher ist und etwas langsamer fokussiert. Diese wurde aber sogar noch etwas länger produziert, was den Erwerb gar nicht mal so alter Modelle zulässt. Hier muss nur beachtet werden, dass Kameras ohne eigenen Fokus-Motor keinen Autofokus zulassen. Dies sind alle „kleinen“, wie z.B. D3200, D5300.
Die D7000 und darüber funktionieren aber wunderbar.

Wer etwas weniger Geld ausgeben möchte, dennoch auf ein aktuelles Nikon-Objektiv setzen möchte und die starke Offenblende nicht benötigt, darf sich auch gerne mal das AF-S 70-200mm f/4.0 ansehen.
Ansonsten lohnt sich ein Blick ins Sigma- oder Tamronlager aber auch. Bei Sigma durfte ich leider nur schon des Öfteren mit anfänglichen Qualitätskontroll-Problemen kämpfen. Hierzu ist vielleicht mein letztlich positiver Bericht zum Sigma 35mm f/1.4 interessant.

Nikkor AF-S 70-200mm f/2.8Nikkor AF-S 70-200mm f/2.8

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