TomTom Spark Fitnessuhr

TomTom fertigt inzwischen nicht mehr nur Navis. Neben der Actioncam TomTom Bandit versucht sich der Hersteller nun auch im Sportuhrensektor. Dank einer Herstelleraktion konnte ich diese nun für ein paar Wochen ausprobieren.

Einrichtung

Im beiliegenden „User Guide“ ist die Schnelleinrichtung und die erste Inbetriebnahme dargestellt.
Diese läuft mithilfe einer Online-App und ist soweit zumindest für die Grundfunktionen selbsterklärend.
Für alle weiteren Informationen verweist TomTom auf den eigenen Youtube-Kanal, in dem sämtliche Möglichkeiten in ein bis zweiminütigen englischen „How-To-Videos“ beschrieben werden.
Ich kann mir vorstellen, dass Personen mit geringen Englischkenntnissen mit der Video-Bedienungsanleitung ihre Schwierigkeiten haben könnten. Evtl werden hier aber auch noch Videos produziert. Für andere Produkte bietet der Hersteller schon mehrsprachiges Material.
Eine PDF mit einem ausführlichen deutschen Benutzerhandbuch bietet TomTom auf deren Homepage zum Download an. Diese finden Sie hier.

TomTom Spark FitnessuhrTomTom Spark FitnessuhrTomTom Spark FitnessuhrTomTom Spark FitnessuhrTomTom Spark FitnessuhrTomTom Spark Fitnessuhr

Synchronisierung

Die Datensynchronisation geht entweder per PC-App oder über das Handy.
Die Verbindung zum Android-Smartphone hat in meinem Fall von Anfang an funktioniert. Hierbei ist nur wichtig, bei der Verbindung das auftauchende TomTom-Infosymbol in der Infoleiste anzuklicken und dann den auf der Uhr angezeigten Code am Handy einzugeben.
Am PC muss die Uhr mithilfe einer proprietären Dockingstation an USB angeschlossen werden (auch zur Übertragung von Musik oder zum Aufladen). Der Steckmechanismus hierfür ist leider etwas störrisch und ich würde mir wünschen, hier eine einfachere Möglichkeit (z.B. Docking per Magnet) zur Verfügung zu haben.
Auf der anderen Seite ist die Verbindung so natürlich sehr stabil und ein versehentliches Abstecken während der Übertragung ausgeschlossen.

Was ich sehr störend finde, ist die Tatsache, auf eine Online-Anwendung angewiesen zu sein. Sämtliche Daten werden mit dem zwangsmäßig angelegten Konto verbunden und werden somit online gespeichert. Ohne allzu viel schwarzsehen zu wollen, empfinde ich gerade Gesundheitsdaten, wie sie von Fitnessuhren produziert werden, datenschutzbezogen als recht bedenklich.
Sobald die Daten mit Mobiltelefon oder PC synchronisiert werden, werden sie automatisch hochgeladen. Am Handy kann ausgewählt werden, ob dies nur bei WLAN-Verbindung geschehen soll.
Wieso ist es nicht möglich, meine Daten auf meinem PC lokal zu speichern? Eine wirkliche Kontrolle, was mit meinen Daten geschieht, habe ich somit nicht.
Zwar ist es natürlich praktisch, Statistiken und GPS-Routen nachvollziehen zu können – aber das wäre es lokal auf meinem Rechner ebenso – und würde nicht dieses ungute Gefühl erzeugen.

Letztlich ist es natürlich eine persönliche Entscheidung, wie man seine persönlichen Daten handhabt. Über Ihre Gedanken hierzu würde ich mich in den Kommentaren freuen. Besonders, da beinahe alle großen Fitnessuhrenhersteller zwischenzeitlich auf Online-Plattformen setzen.

TomTom Spark FitnessuhrTomTom Spark Fitnessuhr

Musikübertragung

Entweder ist das möglich, indem zuvor erstellte Playlists mit der MySports-App am PC gesucht werden und dann mit einem Klick auf die Uhr geschoben werden – oder auch per Drag&Drop vom PC in den Ordner „Music“, den man mit dem Explorer öffnen kann.
Die Datenrate liegt hierbei bei USB2.0-typischen 6MB/s
Sollte man die Musikdateien per Drag&Drop auf die Uhr gezogen haben, kann man im Anschluss leider nur noch „Alle Medien“ abspielen und nicht z.B. ordner- oder playlistbasiert in seiner Musik navigieren.
Vielleicht mag das TomTom ja mit einem Update nachholen?
Die bessere, übersichtlichere Variante ist also die erste mit den Playlists per App… Leider ist diese auch ein wenig umständlicher.

Ergonomie

Aufgrund der starren Bauweise des Basisteils dachte ich nicht, dass die Uhr so angenehm am Arm liegt. Das Material fühlt sich durch eine sehr saubere und abgerundete Fertigung sehr soft an und scheuert oder drückt zu keiner Zeit. Auch nach mehrstündigem Training konnte ich kein störendes Gefühl feststellen.
Der dreifache Druck-/Dornverschluss macht ein versehentliches Öffnen absolut unmöglich und die Uhr sollte so auch bei den extremsten Tätigkeiten am Handgelenk bleiben.

TomTom Spark FitnessuhrTomTom Spark Fitnessuhr

Steuerung

Die Spark beinhaltet zwar kein Touchdisplay, verfügt jedoch über einen großen 4-Wege-Knopf unterhalb des Bildschirms, was die Steuerung mit schwitzigen Händen oder während dem Laufen recht unkompliziert möglich macht.
Das Menü ist hierfür gut geeignet und nach ein oder zwei Tagen hat man sich vollständig an die Bedienung gewöhnt und kennt sich in den Optionen aus.

Tracking

Puls:
Es ist eklatant wichtig, dass die Uhr etwa einen Finger oberhalb des Handgelenkknochens und gut anliegend platziert wird. Weiterhin wird dazu geraten, sich vor dem Training ausreichend aufzuwärmen, um die Durchblutung der Haut ausreichend zu gewährleisten. Ebenso sollte man eine Auskühlung (Winter) des Arms vermeiden, da ansonsten die Messung nicht korrekt möglich ist.
Wird das berücksichtigt, waren die Messungen bei mir korrekt.
Aktuell ist es noch sehr schade, dass die Pulsmessung zwar auch tagsüber aktiviert werden kann, aber dann komischerweise dennoch nicht durchgehend / in festen Abständen misst. Ebenso gibt es keine Puls-Tages-Übersicht in der (online)App. Hier erfolgt nur eine Ansicht pro Trainingseinheit.

GPS:
Nach dem Quick-GPS-Fix (entweder über Bluetooth in der Smartphoneapp oder an der Dockingstation) findet die Uhr das Signal etwa nach 10s. Hierbei ist nur wieder wichtig, dass der Empfang gewährleistet wird. Da der Empfänger im 4-Wege-Controller sitzt, muss dieser dafür freiliegen. Eine Trainingsjacke oder längere Handschuhe im Winter sollten also nicht überstehen.
Die Genauigkeit ist vergleichbar mit dem Handynavi und war bisher zufriedenstellend.
Nach dem Lauf kann die Route online nachverfolgt werden.

Schrittzähler:
Hier bin ich etwas zwiegespalten. Bei normalem Laufen/Joggen/Rennen erkennt er die Schritte zuverlässg. Wird es etwas schneller – beispielsweise beim schnellen Skipping – wird plötzlich nur jeder zweite Bodenkontakt gezählt.
Im Alltag war er bis jetzt größtenteils zuverlässig wobei die ersten drei, vier Schritte oft nicht mitgezählt werden.

TomTom Spark Fitnessuhr

Trainingsmodi

Es stehen die folgenden Arten zur Verfügung:

  • Laufen
  • Rad
  • Schwimmen
  • Laufband
  • Studio
  • Indoor
  • Freestyle
Je nach ausgewähltem Modus unterscheiden sich die Trainingsmethoden / einstellbaren Trainingsziele ein wenig und man kann beispielsweise auch das effektive Pulstraining anwenden, bei dem die Uhr einem stets einen Überblick verschafft, in welchem Bereich man sich aktuell befindet. Hier liefert die Uhr auch unabhängig von einer SmartphoneApp selbst eine grafische Übersicht.

Die folgenden Trainingsmethoden sind möglich:

  • Keine (nur Tracking)
  • Ziele (Distanz, Zeit, verbrauchte Kalorien)
  • Intervalltraining (Unterteilt in Aufwärmen, Training, Pause, Set-Anzahl, Erholung, wobei jede Unterteilung einzelne Zeit-/Distanz-Einstellungen zulässt)
  • Runden (Zeit, Distanz, Manuell(selbst während dem Training wählbar))
  • Bereiche (Tempo (Zielzeit pro km), Geschwindigkeit, Puls, Kadenz(Kadenzmesser nötig))
  • Rennen (Wettrennen gegen eine bereits abgelegte Aktivität)
Bisher kam ich mit den Modi sehr gut zurecht und empfinde diese als Hobbysportler als ausreichend. Etwas nervig ist die teilweise nötige GPS-Verbindung, bevor die Uhr das Training starten lässt. Der Modus Freestyle lässt sich somit beispielsweise im Innenraum nicht verwenden. Hier muss also zwingend der gps-unabhängige Indoor-Modus gewählt werden.
Wenn man das im Vorhinein nicht weiß, kann man da schon mal kurzzeitig verzweifeln ;-)

Sonstige Funktionen

Der integrierte Wecker ist eine praktische Sache, da er sich lautlos durch Vibrieren bemerkbar macht. Wird er aktiv, kann er durch Drücken nach rechts um 15min verschoben werden.
Leider lässt sich insgesamt nur eine Weckzeit einstellen.
Weiterhin ist noch eine Stoppuhr vorhanden, die etwas versteckt bei den Trainingsmodi ganz am Ende der Liste sitzt.
Darüberhinaus fehlt jedoch eine für mich in eine Fitnessuhr selbstverständlich gehörende Timer-Funktion. Diese durch den Wecker zu ersetzen, ist meist etwas nervig.

Kopfhörer

Überrascht war ich von den im Cardio+Music-Paket beiliegenden Kopfhörern.
Diese machen auf den ersten Blick zwar einen etwas leichten und günstig plastikartigen Eindruck, können aber auf den zweiten Blick auch wegen der Leichtigkeit komplett überzeugen:
Neben dem sehr guten Sitz im Ohr fielen mir besonders die gummierten und dadurch griffigen Tasten am Headset positiv auf. Da diese auch noch recht weit voneinander entfernt platziert wurden, sind sie auch während dem Training super zu erfühlen.
Ebenso ist der Klang wirklich in Ordnung. Sie sind zwar ein ganz klein wenig bassbetont und der Bereich 2,5-5kHz könnte ein wenig definierter sein – im Großen und Ganzen geben sie die Musik jedoch recht neutral wieder und ich würde sie aktuell akustisch und ergonomisch als meine bisher besten kabellosen Kopfhörer im Bereich bis 80€ bezeichnen.
Gerade Radsportler werden zu schätzen wissen, dass der Hersteller an ein scheinbar aerodynamisch effizientes Design gedacht hat. Windgeräusche werden im Gegensatz zu meinen bisher getesteten kabellosen Kopfhörern nämlich ausgesprochen gut vermieden.

Einen kleinen Kritikpunkt, den aber viele Bluetooth-Headsets besitzen, stellt das längere Kabel dar, welches mit einem Klip im Nacken zusammengelegt werden muss. Dadurch baumelt einem ein kleines „Kabelpäckchen“ am Hals, welches beim Joggen je nach Gewohnheit durchaus stören kann. Ich empfehle hier, den zweiten im Lieferumfang vorhandenen Clip ebenfalls zu nutzen und eine „8er-Schlaufe“ zu bilden, wodurch das „Päckchen“ etwas kompakter wird.
Vereinzelte Hersteller setzen übrigens auf eine relativ „starre“ Konstruktion eines vergleichsweise kurzen Kabels, das dann ohne Baumeln hinter dem Hals hängt oder teils auch schwebt.
Klanglich leider nicht so toll – aber vom Sitz ideal wäre hier beispielsweise der Mpow Cheetah.
Ansonsten rühmen sich die TomTom leider nicht unbedingt mit einer immer stabilen Verbindung. Ab und zu kam es nun schon vor, dass sie grundlos stockten und sogar die Verbindung verloren. Auf der anderen Seiten habe ich sie auch schon oft mehrere Stunden am Stück ohne Aussetzer nutzen können.
Die Laufzeit beträgt aufgrund der kompakten Bauweise leider nur 3,75h. Für Sportaktivitäten reicht das je nach Art natürlich gerade so – auf längeren Bahnfahrten wird es aber knapp.

Eine weitere Wahl wären die Plantronics BackBeat Fit, die aber je nach Ohr sehr gut oder einfach überhaupt nicht passen.
Alternativ kann ich die günstigeren, aber etwas bulligeren Soundpeats Q9A empfehlen.

TomTom Spark FitnessuhrD75_2020D75_2025

Fazit

Aktuell ist softwareseitig noch ein bisschen Arbeit nötig, um die TomTom vollkommen uneingeschränkt empfehlen zu können. Gerade die etwas beschränkte Übersicht der Tagesaktivität in der MySports-App ist ausbaufähig.
Andererseits trägt sich die Uhr sehr angenehm, hält bei normaler Benutzung ca. 6-7 Tage, lässt sich meiner Meinung nach gut bedienen und trackt Aktivitäten größtenteils zufriedenstellend. Die Ganztages-Pulsmessung ist da noch eine kleine Ausnahme.
Wer weiterhin damit einverstanden ist, dass die persönlichen Daten bei TomTom kontobasiert gespeichert werden, kann meiner Meinung nach schon zur Spark greifen.
Laut Kundenservice werden in der kommenden Zeit regelmäßig Updates erscheinen.

TomTom Spark Fitnessuhr – Für etwa 244€ auf Amazon (Zum Testzeitpunkt)

Getestet am
Produkt
TomTom Spark Fitnessuhr
Bewertung
4

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.