SMSL AD18 Class-D Stereo Verstärker mit Bluetooth & USB

Während klassische analoge Verstärker groß, schwer und stromhungrig sind, erobern nach und nach auch kompakte Class-D Verstärker den Markt.
Deren Wirkungsgrad ist im Vergleich zu den bisherigen Modellen deutlich höher, was eine geringere Wärmeentwicklung, einen verminderten Stromverbrauch und eine größenbezogen höhere Leistung zur Folge hat.
Dennoch sind diese Verstärker nicht generell vorzuziehen, da sie etwas anfälliger für elektrische Störungen und Rückkopplungen sind, was die Wahrscheinlichkeit von Signalabweichungen erhöht.

In meinem Fall war ich jedoch daran interessiert, was aktuelle Technik inzwischen leisten kann und habe im Fernsehregal meinen bisherigen Vollverstärker Denon PMA 720AE vor etwas über einem Jahr mit diesem kleinen Modell ersetzt. Dort betreibt er seitdem ältere, mittelgroße Standboxen.
Nach bisherigen guten Erfahrungen kam nun noch ein zweites Modell für den Schreibtisch dazu. Hier steuert er die recht neuen Regalboxen Q Acoustics Q3020i an.

Zur Einordnung meines Berichts: Ich bezeichne mich als musikalisch interessierten, qualitätsbewussten Hörer – ohne den Anschein erwecken zu wollen, ein audiophiles oder absolutes Gehör zu haben.
Personen mit langjähriger Erfahrung, spezialisiertem Gehör oder professionellem HiFi-Equipment haben also eventuell abweichende Ansprüche an den Verstärker.

Verarbeitung

Die Fertigung wirkt eigentlich sehr gut. Spaltmaße sind perfekt und alle Kanten schön abgerundet. Der Netzstecker sitzt jedoch nicht ganz so fest im Gehäuse, weshalb er beim Staubsaugen oder Putzen auch mal versehentlich herausrutschen kann.
Angeschlossen habe ich meine Boxen per Bananenstecker, die optimal passen und einen sicheren Halt bieten.
Bei bisherigen Generationen wurde noch die Fernbedienung kritisiert, da diese die Batterien selbst entladen hat. Die aktuellen Chargen besitzen diesen Mangel jedoch nicht mehr.

Funktion

Nachdem der Verstärker mit dem Netzteil verbunden wurde, befindet er sich direkt im Standby. Einen An-/Ausschalter sucht man vergebens. Hochfahren aus dem Standby geht mit 3s recht schnell. Eine Bedienung ist im Anschluss über das Drehrad (Kombination aus Drücken und Drehen) intuitiv und einigermaßen schnell möglich. Da die Quellen-Einstellung als erstes angewählt wird, kann die in meinen Augen wichtigste Steuerung schnell durchgeführt werden.
Leider bietet die Fernbedienung keine direkten Quellen-Tasten und erlaubt ebenfalls nur das Durchschalten der sechs möglichen Eingänge:
  • AUX
  • Koaxial 1
  • Koaxial 2
  • Toslink
  • Bluetooth
  • USB
Der AD18 merkt sich hierbei die jeweils zuletzt eingestellte Lautstärke. Jedoch wird diese bei geringeren Pegeln als 8 beim Neustart wieder auf 8 – und bei höheren als 20 wieder auf 20 gesetzt.
Dies hat beispielsweise in meinem Fall anfangs für Verwirrung gesorgt, da ich bei Bluetooth für leise Hintergrundbeschallung nur auf 5 gestellt und mich gewundert hatte, wieso er bei einem Neustart immer wieder so laut ist.
Schön wäre außerdem, wenn der Verstärker bei einem NFC-Kontakt automatisch in den Bluetooth-Modus wechselte. So führt ein Berühren von NFC z.B. im AUX-Modus zu nichts.

Der AD18 als DAC (Digital-Analog-Wandler)

Ein Hauptgrund für meinen Einsatz dieses Verstärkers war die Möglichkeit, ihn auch direkt per USB mit dem PC, Laptop oder MacBook zu verbinden. So spare ich mir an den Geräten die zusätzliche Soundkarte und habe bis zum Verstärker eine rein digitale Signalkette. Bisher verwendete ich am PC als DAC ein Audio-Interface von Steinberg, da die integrierte Soundkarte des Mainboards erwartungsgemäß keine allzu gute Qualität bot.
Mit dem AD18 verkleinerte sich nun nicht nur der eingesetzte Verstärker selbst, sondern es sind auch insgesamt weniger Geräte zur Tonausgabe nötig und der Schreibtisch bzw das Fernsehregal wirken aufgeräumter.
Der Klang ist im positiven Sinn unauffällig und für meine Ohren rein ohne Störungen.
Im Bluetoothmodus verliert man durch die protokollbedingte Übertragungsrate objektiv gesehen Qualität, jedoch muss ich sagen, dass mir subjektiv kaum ein Unterschied auffällt und darüberhinaus die Reichweite außerordentlich gut ist.
Getestet wurde mit FLAC-Dateien.
AptX wird unterstützt.

Stromverbrauch

Obwohl die Effizienz von Class-D-Verstärkern bei der Audioausgabe sehr hoch ist, stellt sich der AD18 beim Standby-Verbrauch mit 1,2W leider nicht ganz so gut an – besonders im Hinblick auf die nicht mögliche komplette Abschaltung. Hier empfiehlt es sich also, eine Steckdose mit Schalter zu verwenden.
Weiterhin brummt/surrt das Netzteil minimal, sobald der SMSL aus dem Standby geweckt wird. Das Surren ist zwar so leise, dass man es kaum wahrnimmt, bei komplett lautlosen Passagen kann es aber empfindlichen Personen, die sehr nah am Netzteil sitzen auffallen.
Ebenfalls stört mich, dass der Verstärker keine Autoabschaltung besitzt und auch im Nichtgebrauch mehr als handwarm wird.

Leistung

Durch die bereits erwähnte, hohe Effizienz kann der Verstärker trotz der geringen Größe bemerkenswerte 2 x 80 W an 8 OHM erbringen. Meine mittelgroßen Standboxen im Wohnzimmer kann er so problemlos bis zur Partylautstärke antreiben und gewöhnlich benötigt man als normaler Anwender in meinen Augen bei der Boxengröße kaum mehr Leistung. Bei einem Lautstärke-Level von 12 (möglich: 30) erhält man eine recht hohe Zimmerlautstärke. Bei 24 wird ein Pegel erreicht, der für Aufruhr unter der Nachbarschaft sorgen sollte.
Wer jedoch leistungshungrige, größere Boxen betreibt, sollte eventuell testen, ob die Stärke des kleinen Kastens ausreicht.

Kopfhörerverstärker

Der einzige klangliche Unterschied zu meinem bisherigen Denon PMA 720AE ist beim Kopfhörerausgang festzustellen. Die Tonausgabe über diesen erscheint mir an meinen Beyerdynamic DT770 Pro nicht ganz so fein aufgelöst, wie ich es vom großen Verstärker gewohnt bin. Jedoch machen sich die Unterschiede wirklich nur marginal bemerkbar und ich bin mir manchmal nicht ganz sicher, ob es eventuell auch nur mit der unterschiedlichen Ausgabelautstärke zusammenhängt und die Abweichung daher rein subjektiv stattfindet.

Fazit

Im Vergleich zu meinem alten Verstärker kann ich klanglich kaum Unterschiede feststellen und ziehe diesem die gewonnenen Features wie Kompaktheit, digitale Eingänge und Bluetooth bei vergleichbarem Preis vor.
Wer einen ähnlichen Anspruch an die Tonausgabe verfolgt, keine absolut leistungshungrigen Lautsprecher bei über-Party-Lautstärke betreiben möchte und an einem modernen Verstärker interessiert ist, kann meiner Meinung nach problemlos zum AD18 greifen.
Als reinen Kopfhörerverstärker gibt es aber möglicherweise andere, bessere Artikel zum ähnlichen Preis.

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SMSL AD18 Class-D Stereo Verstärker mit Bluetooth & USB
Bewertung
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